.

Jahresabschluß 2012 in Bodenmais

Der Jahresabschluß des ostbayerischen Vereins "Die Touristiker e.V". am 5. Dezember 2012 im Hotel Dolce Vita in Bodenmais stand ganz im Zeichen neuer Wege im Tourismus. Als Gastredner konnte Vorsitzender Markus Müller aus Neukirchen b. Hl. Blut diesmal Regens Landrat Michael Adam und Andreas Lambeck von der Bodenmais-Tourismus-GmbH sowie Bürgermeister Joli Haller begrüßen. Jedem im Tourismus müsse klar sein, daß der Tourismus der letzten Jahrzehnte keine Zukunft habe, so der Vorsitzende. "Informations-, Buchungs- und Urlaubsverhalten haben sich total geändert. Aber wer hat den Mut, wirklich neue Wege zu gehen?". Weil Bodenmais hier ein herausragendes Beispiel sei, habe man heuer die traditionelle Jahresabschlußveranstaltung in den Kurort am Fuße des Silberbergs gelegt, um sich von den Protagonisten vor Ort das Konzept sowie die damit verbundenen Herausforderungen aufzeigen zu lassen.
Bodenmais 2012
Landrat Michael Adam, von 2008 bis 2011 Bürgermeister von Bodenmais, zeigte in aller Ausführlichkeit die Fremdenverkehrsgeschichte und vor allem die dramatische Entwicklung des Bodenmais-Tourismus seit Ende der 90er Jahre auf. Von den knapp eine Million Übernachtungen brachen binnen 10 Jahren rund ein Drittel weg, für viele Betriebe stellte sich die Existenzfrage. "Zu unserem großen Leidwesen mussten wir feststellen, dass der in den 90er Jahren eingeschlagene Weg zum 'Heilklimatischen Kurort' nach dem Ende des Kurortbooms eine Fehlentwicklung war". 2007 folgte der Richtungswechsel. Adam nannte es einen Glücksfall, dass mit Andreas Lambeck ein Profi aus der Tourismusindustrie gewonnen werden konnte, mit dem die Marktgemeinde eine neue Entwicklungs- und Vermarktungsstrategie und vor allem herausragende touristische Prokukte entwickelte. Durch clevere und aggressive Produktgestaltungen sei es gelungen, gerade auch die Nebensaison zu beleben. Wenn auch nicht alle am Ort vom neuen Weg überzeugt seien, so bestätige Erfolg mit spürbar steigenden Übernachtungen, neuen Gästeschichten und vor allem im ganzen Ort verbesserter Wertschöpfung die Neuausrichtung. "Als Landrat möchte ich im Landkreis eine vergleichbare Entwicklung anstoßen". Sein Ziel sei, aus bestehenden Fremdenverkehrsstrukturen gemeindeübergreifend arbeitende, moderne Tourismusbetriebe zu machen, die verkaufsorientiert arbeiten. Adam bedauerte, daß derzeit noch viel zu viel Geld für Parallelstrukturen aufgehe.

Andreas Lambeck stellte sich als "Kind der Reise-Industrie" vor, den vor sechs Jahen die Frage reizte, ob die Gesetze der Tourismusindustrie auf eine Gemeinde im Bayerischen Wald übertragbar seien. "Ich stelle fest, daß es in einem Ort mit eigenen Gesetzen sehr schwer ist, wirklich alle zu erreichen", so der Rheinländer, der wöchentlich in den Bayerwald pendelt. Fünf Profitcenter wurden geschaffen, dank motiviertem Personal der Umschwung geschafft. So arbeite Bodenmais neben Hamburg als einziger kommunaler Reiseveranstalter in Deutschland, creative Produkte werden mit einer Story verkauft. Weil neben den kommunalen Mitteln die Verkaufsprovision gleich wieder ins Marketing fließe, konnten jährlich gut eine Million Euro von der Bodenmais Tourismus- und Marketing GmbH für die Vermarktung eingesetzt werden.  Mehr als 2/3 des Marketingbudgets erwirtschaftet die Tourismus GmbH selber. Zwischenzeitlich liege man bei 80.000 Übernachtungen, die man als Reiseveranstalter am Ort generiere. Für rund 40.000 weitere Übernachtungen hat die BTM den direkten Kontakt zwischen Hotels und anderen Vertriebspartnern hergestellt. "So gut das Außenmarketing war, so schlecht war teilweise das Innenmarketing", gab sich Lambeck selbstkritisch. "Ein Teil der Bodenmaiser haben bis heute nicht die Aufgaben, Konzepte und Zusammenhänge der Tourismus GmbH  verstanden und ein Nachfolger hat hier hoffentlich ein besseres Händchen", so Lambeck weiter.

Bürgermeister Joli Haller stellte fest, daß mit Andreas Lambeck ein modernes Tourismusdenken in den Ort gekommen sei, was sich durch regelmäßige touristische Auszeichnungen bestätige. "Wir haben jemanden gebraucht, der uns aus dem Dornröschenschlaf aufgeweckt hat", so der Bürgermeister. Dem Ort und auch den großen Wellness-Hotels, die eigentlich als Selbstläufer betrachtet werden können, gehe es aber nur gut, wenn es auch den zahlreichen kleinen Hotels, den Pensionen und den Ferienwohnungsvermietern gut geht. "Wenn das Licht in Bodenmais aus ist, wird keiner mehr kommen", appellierte der Bürgermeister, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

In der anschließenden Diskussion stellten Dr. Michael Braun und Alexander Anetsberger vom Tourismusverband Ostbayern einen direkten Bezug zu den Problemen vieler Orte im Bayerischen Wald her. Sicherlich könne der "Bodenmaiser Weg" nicht einfach auf andere Orte übertragen werden, den Verantwortlichen müsse aber klar sein, daß sich vieles ändern müsse. Intensiv diskutiert wurden Möglichkeiten, auch ausländische Märkte für den Bayerischen Wald zu erschließen, wobei der frühere Further Verkehrsamtsleiter Hermann Plötz und Udo Wichert von Thomas Cook in Prag interessante Informationen über den tschechischen Markt besteuerten. Ex-MdB Klaus Hofbauer zeigte sich beeindruckt von der Art, wie in Bodenmais die Akteure miteinbezogen worden sind. Er zeigte sich aber skeptisch, ob die bisherigen staatlichen Förderprogramme für die künftigen Herausforderungen geeignet seien. Landrat Adam gab ihm recht und sprach von teils weltfremden Förderinstrumenten. "Wir müssen den Erfolg fördern und nicht den dauerhaften Defizitbetrieb".



.